30. August 2013

Verstehen = Nachempfinden?

Wie in einem vorherigen Post ("Kontrollverlust") bereits beschrieben, leide ich ja seit ein paar Jahren an einer gesundheitlichen Einschränkung. Natürlich weiß mein Umfeld darüber Bescheid.
Menschen, die ich neu kennenlerne und die es (je nach Situation) wissen sollten, informiere ich darüber.
Die meisten Menschen sind neugierig, stellen Fragen und äußern, dass sie das Ganze nachvollziehen können und signalisieren auch oft eine Art Mitleid (was allerdings nicht erwünscht ist). 

Ein paar Leute reagierten so, dass sie sagten, sie hätten so etwas Derartiges noch nicht gehört und gingen anschließend auf dieses Thema nicht mehr ein.

Da ich ja offen mit dem Sachverhalt umgehe, habe ich natürlich schon einige Reaktionen diesbezüglich erfahren und kann daher auch nur den Menschen mit einer Art "Behinderung / Einschränkung" raten ... 

"Seid ehrlich zu euren Mitmenschen! Damit macht ihr es euch und den Anderen leichter."

Meine Eltern haben ja den "Ausbruch" meiner Erkrankung miterlebt und wussten daher von Anfang an Bescheid. 
Beide sagen, sie können mich verstehen. Aber heisst das auch, dass sie es "wirklich verstehen"?

Ich musste in den letzten 2 Jahren feststellen, dass sie es eben nicht taten.
Als ich aus meiner vorherigen Wohnung ausgezogen bin, habe ich vorübergehend wieder in meinem Elternhaus leben müssen. Natürlich führte dies zwangsläufig dazu, dass ich wieder mehr Zeit mit meinen Eltern verbrachte. Während dieses Zusammenlebens ist meinen Eltern erstmals bewusst geworden, was diese gesundheitliche Einschränkung für mich und meinen Alltag bedeutet. 
Wie oft musste ich solche Sätze sagen, wie "Du weißt doch ... ich kann das nicht?!" oder 
"Tut mir leid, aber das geht nicht". 
Erst da merkten sie, wo meine Grenzen sind.
Jetzt wohne ich seit knapp 1 1/2 Jahren wieder in einer eigenen Wohnung. 
Und ich merke, wie dieses Bewusstsein über meine Situation langsam bei meinen Eltern wieder in Vergessenheit gerät. 
Dadurch, dass sie nicht täglich damit konfrontiert werden, spielt meine Einschränkung nur noch eine nebensächliche Rolle für sie. Verständlicherweise!

Was ich damit sagen will .... die meisten Menschen sagen zwar, dass sie mich verstehen, aber das heißt noch lange nicht, dass sie es auch Nachempfinden können.
Dies können wirklich nur Leidensgenossen.
Aber mein Ziel ist es auch nicht, den Leuten so viel Empathie abzuverlangen, dass sie es nachempfinden können, sondern ich möchte nur Aufklären und mich in Situationen gelassener und entspannter fühlen, weil ich mich und mein Verhalten nicht "verstecken" muss und somit innerliche Anspannungen abbaue.
Man könnte es als eine Art Egoismus bezeichnen.  


Also ..."Tut das, was euch gut tut!"

In diesem Sinne...

L.H.P.  

(Quelle: http://www.wanttoknow.nl)

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