30. April 2014

Wie der Alltag uns behindert...

Seit dem ich wieder aus der Reha zurück bin, arbeite ich ja daran, meine mir selbst gesetzten Ziele weiterhin zu verfolgen und meine Vorsätze in die Tat umzusetzen. 
Mal klappt es besser und mal eben nicht.
Natürlich spielen viele Faktoren bei der Umsetzung eine große Rolle.
Zum einen ist es der eigene Antrieb, die Willensstärke, das Selbstvertrauen, die Tagesform und auch das Umfeld. 

Ich habe weiterhin zu einigen ehemaligen Mitpatienten aus der Reha Kontakt.
Und was soll ich sagen?! Die meisten sind in ihr altes Muster zurückgefallen und dadurch geht es ihnen auch eher mittelprächtig. Gerade die Mitpatienten, die aufgrund von Depressionen in der Klinik waren, haben es besonders schwer, ihre Vorsätze und das Neuerlernte im Alltag umzusetzen.
Aber wieso ist das so?


Mir selbst ist folgender Grund aufgefallen. 
Während der Anwendungen in der Klinik lernt man sich selbst, sein Verhalten, seine Denkweise und seine Ängste neu kennen. Man lernt manche Gedanken zu hinterfragen, sich viele schöne und motivierende Leitsätze einzureden und fährt anschließend mit vielen Vorsätzen und einem großen Koffer voll Motivation nach Hause. 
Zuhause angekommen stellt man jedoch schnell fest, dass das, was man sich so schön für Zuhause vorbereitet hat, gar nicht so einfach in das alte Leben passt.
Vielleicht hat man sich selbst etwas verändert, aber das Umfeld ist jedoch gleich geblieben?!
Die Familienangehörigen, der Arbeitsplatz, die Freunde,... all das ist noch genau so, wie man es Wochen zuvor verlassen hat?!
Und selbst wenn man genau dort signalisiert, dass sich etwas verändern muss, ist es nur eine Frage der Zeit, bis es wieder so wird, wie es war. 
Man selbst merkt dann, dass man irgendwie wenige Möglichkeiten hat, etwas zu verändern.
Und selbst wenn man es kann, dann passiert dies nicht so schnell, wie man es eigentlich für einen Genesungsprozess gebrauchen könnte.

Es tut mir leid, immer wieder von meinen ehemaligen Mitpatienten lesen/hören zu müssen, dass es ihnen nicht so gut geht. Sie schreiben, dass sie sich Tag für Tag zur Arbeit quälen, sich kaum konzentrieren können und sie wieder in ein Loch gefallen sind. Aus der großen Distanz ist es auch schwierig, den Menschen Mut zuzusprechen und sie zu unterstützen. Man ist irgendwie so hilflos.
Ich versuche natürlich mit meinen entsprechenden Mitteln diese lieben Menschen davon zu überzeugen, dass es sicher irgendwann besser wird, wenn sie nur weiterhin an sich arbeiten.

Und hier kommt der Haken...
... ich gebe (meiner Meinung nach) großartige Ratschläge, spreche Mut zu und versuche zu motivieren. 
Dabei bin ich diejenige, die sich von dem Ganzen eigentlich selbst mehr annehmen müsste?!
Auch ich habe leider viel zu viele Tage, in denen mich mein Alltag auffrisst. 
Der Alltag saugt meine Motivation, raubt mir meinen Tatendrang und spuckt einen Sack Altlasten wieder aus. 
Aber was kann man dagegen tun?!

Kämpfen, hoffen, sich aufraffen und es einfach tun.
Nicht denken, nicht Pro und Kontra abwägen, nicht überlegen, ob es Wichtigeres geben könnte?!
Nur wer handelt, hat die Macht etwas für sich (!!!) zu verändern.

In diesem Sinne...

L.H.P.


1 Kommentar:

  1. Ich mache mir auch oft Gedanken um meine Mitpatienten und gerate in Versuchung, mich mehr um sie zu kümmern als um mich. Oft denke ich, dass es ihnen viel schlechter geht als mir - und dann sitze ich planlos da, fühle mich wie eine Wolke und habe die Nase voll xD Aber ich bin sehr glücklich, dass sich meine Art zu denken geändert hat - ich nehme mich besser wahr; ich weiß, wie ich mit mir arbeiten kann.

    Und vorangekommen sind irgendwie alle.

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