23. Mai 2014

Entlassungsbericht Reha

Diese Woche habe ich mir den Entlassungsbericht der Reha von meinem Hausarzt abgeholt (da ich diesen höchstwahrscheinlich gut für die noch kommenden Termine gebrauchen kann). 
Und natürlich gab es beim Lesen einiges, worüber ich schmunzeln und lachen musste. 
Aber es war auch vieles dabei, was sehr informativ war. 
Daher habe ich mich entschlossen, ein paar "Auszüge" des Berichtes hier festzuhalten:

Diagnosen:
- Agoraphobie: Mit Panikstörung **
- Somatoforme autonome Funktionsstörung: Urogentialsystem **
- Psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak: Abhängigkeitssyndrom 
  (ja ich rauche... GANZ WICHTIG!!! ... so ein Blödsinn) 

** Für genauere Infos zu den Diagnosen, schau einmal hier vorbei


Allgemeine und klinische Anamnese:
Der Zugang zur Rehablilitation erfolgte auf eigene Initiative und auf Rat der Ärzte durch den Rentenversicherungsträger mit den Diagnosen:


Zwangshandlungen (Pollakisurie), Panikstörung und dissoziative Empfindungsstörung.
(Also das klingt, als wäre ich eine große Baustelle und arg... nun ja.... gestört)

Krankheitsverständnis und Krankheitsverarbeitung:
Die Patientin ist über Ihre Erkrankung gut informiert und erfährt Unterstützung durch ihre Familie.

Dann erfolgt eine Auflistung von allen internistischen und neurologischen Befunden... (wobei 2/3 der dort angegeben Befunde nicht durch eine erfolgte Untersuchung ermittelt wurden. Habe also keine Ahnung, woher sie diese Informationen haben. Aber da dort angeblich "alles normal" ist, gehe ich davon aus, dass es einfach eine reine Spekulation war).

Psychischer Befund:
Gepflegtes Erscheinungsbild (das schmeichelt mir), bewusstseinsklar, voll orientiert, keine Auffälligkeiten. Im interpersonellen Kontakt freundlich, zugewandt und kooperativ. Formales und inhaltlisches Denken waren geordnet, auf phobische Sorgen gerichtet. Keine Hinweise auf Ich- oder Wahrnehmungsstörungen. Stimmung reduziert, Erleben von Hilflosigkeit. Kein Hinweis auf akute Suizidalität. (na immerhin haben sie das auch festgestellt)

Verhaltensanalytischer Befund:
Im Sinne des Stress-Vulnerabilitätsmodells (ähm... ja...) sind als bedingende Faktoren eine starke Selbstbeobachtung, beruliche Belastungen sowie dysfunktionale Verarbeitungsstile und ein hohes Verantwortungsgefühl zu nennen. Gedanklich zeigt sich vermehrtes Grübeln und Fokussierung auf die Angst vor Harndrang in der Öffentlichkeit [...] Auf Verhaltensebene kommt es zu Rückzug und einem Vermeidungsverhalten, was die Symptomatik weiter verstärkt und aufrechterhält. 

Rehablilitationsverlauf:
[...] Auf körperlicher Ebene beobachteten wir einen unkomplizierten Therapieverlauf. Die Patientin konnte an allen physio- und sporttherapeutischen Angeboten teilnehmen (LÜGE!!! Ich musste weder zum Walking, noch zur Aqua-Fitness aufgrund meiner Ängste) und zum Ende des Rehablilitaionsaufenthaltes einen Zugewinn an körperlicher Belastbarkeit und Ausdauer beschreiben.
Die Motivationslage war durchgehend sehr hoch. 
[...] Zu Beginn der Rehabilitationsbehandlung bestand keine medikamentöse Behandlung. Wir boten der Patientin - nach fachärztlich urologischem Konsil - eine Medikation mit Amitriptylin zur Nacht an, nicht zuletzt, um über den anticholinergen Nebeneffekt eine Beeinflussung der Miktionsfrequenz zu erreichen.
[...] In den psychotherapeutischen Einzelgesprächen zeigte sich die Patientin durchgängig motiviert. [...]
Die Patientin war selbstaufmerksam, reflektiert und konnte über die Bewusstmachung von Ressourcen und täglichen Konfrontationsübungen sowohl Lösungen erarbeiten als auch zur eigenen emotionalen Entlastung beitragen.





Im Anschluß kommen noch viele Informationen zu meinem Beruf, die aber irrelevant sind, da ich ja arbeitsfähig in die Reha ging und arbeitsfähig entlassen wurde.

Und am Ende wird empfohlen, mit der ambulaten Psychotherapie fortzufahren, die in der Klinik angeordnete Medikation bei Bedarf beizubehalten und mit Eigenmotivation die in der Klinik erlernten Strategien weiterhin durchzuführen.

Einen Ausschnitt möchte ich aber hier noch festhalten, weil ich mich darüber wirklich köstlich amüsiert habe...
... vorher kurz eine Erklärung: Am ersten Tag der Reha setzt sich der zuständige Psychotherapeut mit dem Patienten zusammen und bespricht den Grund der Reha, wie es einem aktuell geht und was man sich von der Reha erhofft. Ebenso wird erfragt, wie das familiäre Umfeld ist.
Ich habe dem Therapeuten erzählt, dass ich ein sehr gutes Verhältnis zu meinen Eltern habe und habe wohl in einem Nebensatz erwähnt, dass mein Vater ein "Muffkopp" sei. So bezeichnen wir ihn innerhalb der Familie liebevoll und ziehen ihn damit etwas auf. Aber alles, auf humorvolle Art und Weise.
Die Klinik hat daraus Folgendes gemacht: 


Sehr süß :-)

Jetzt wisst ihr erst einmal alles, was es zu mir und meiner Erkrankung und der Reha zu sagen gibt.

L.H.P.

Kommentare:

  1. das kommt mir alles sehr bekannt vor. Ich fühlte mich bestraft, weil ich an allen Therapien teilgenommen habe, wurde ich arbeitsfähig entlassen. Leichte Depression!!! Meine Therapeutin hat mir gestern den Bericht fürs Versorgungsamt vorgelesen, darin attestiert Sie mir schwere Depressionen?! Bin gespannt wie das Versorgungsamt reagiert. LG Elke :)

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    1. So wie sich ja herausgestellt hat, werden die meisten Entlassberichte etwas "verschönert", um eine Vielzahl der Patienten arbeitsfähig entlassen zu können und somit eine guten Schnitt in der Statistik zu erhalten. Ich gehe mal davon aus, dass du auch vor Kurzem einen Fragebogen der Rentenversicherung zur Reha erhalten hast... würde an deiner Stelle dementsprechend die Reha auch bewerten.

      Lieben Gruß

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