14. Mai 2014

Festhalten oder Loslassen?

Wenn ich auf fremde Menschen treffe und es sich ergibt, dass ich ihnen von meiner Geschichte erzähle oder sie meinen Blog lesen, dann sind die Reaktionen in letzter Zeit ziemlich ähnlich.
Ich bekomme Komplimente für mein Durchhaltevermögen, dafür, dass ich mich nicht aufgegeben habe. 
Sie finden es bewundernswert, dass ich nach Abbruch meiner ersten Ausbildung, mir etwas Neues gesucht habe und mich in einem fremden Berufsfeld neu orientiert habe.
Man gibt mir Zuspruch für meine Offenheit.





Das, was für mich so selbstverständlich erscheint, scheint für die meisten Menschen wohl doch eher etwas ungewöhnlich zu sein.
Sie sehen es als ein Zeichen meiner Stärke und meines Willens.
Es wird als etwas durchweg Positives gewertet...

... ich persönlich merke aber immer wieder, dass diese Eigenschaft von mir nicht nur Positives mit sich bringt, sondern auch einen bitteren Beigeschmack hat.


Nicht in allen Bereichen des Lebens ist es sinnvoll, sich an einem Wunsch oder einer Hoffnung festzuhalten.
Nicht immer hilft es, wenn man sich das vor Augen hält, was man gerne hätte und erreichen möchte?!

In den letzten 2 Jahren habe ich immer wieder gemerkt, wie schwer es mir fällt, mich von manchen Wünschen, Zielen und Hoffnungen zu verabschieden. Ich klammere mich an etwas fest und habe Angst loszulassen. Ich hoffe so lange, bis ich etwas anderes finde, auf das ich hoffen kann.
Ich gebe nichts auf, sondern brauche anscheinend immer etwas, womit ich Vorheriges ersetzen kann.
Und solange da nichts ist, halte ich mich an dem fest, was bisher mein Wunsch, mein Ziel, meine Hoffnung war.

Natürlich weiß ich, dass gerade diese Eigenschaft mir dazu verhilft, meine Ziele zu erreichen und mich nicht von Tag zu Tag in die Hoffnungslosigkeit zu stürzen. 
Aber wenn man immer wieder merkt, dass das, was man sich so sehr wünscht und erhofft nicht eintritt, man aber aus irgendwelchen Gründen nicht davon loslassen kann, dann zerreißt es einen innerlich.
Denn man kämpft und hofft und kämpft weiter und hofft noch mehr... um sich dann aber wieder darüber im Klaren zu sein, dass dieser Kampf und die daraus resultierende Hoffnung bereits verloren ist.

Aber was macht es so schwer, sich mit dem Gedanken anzufreunden, einfach mal loszulassen und abzuwarten, was passiert? Wieso kann ich Ziele nicht verwerfen, sondern nur ersetzen?
Eine konkrete Antwort darauf habe ich leider nicht. 

Ich bin mir im Klaren darüber, dass diese Eigenschaft mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.
Ich weiß, dass ich es auch brauche, um eben gerade im Bezug auf meine gesundheitliche Einschränkung weiterzukämpfen und motiviert zu bleiben.
Ich kann mit stolz sagen, dass ich nach nun 6 Jahren noch immer nicht die Hoffnung verloren habe, dass es eines Tages wieder so wird, wie es früher mal war. 

Wenn man nun die positiven Aspekte dieser Eigenschaft mit den negativen Aspekten gegeneinander aufwiegt, dann würde ich behaupten, dass diese Eigenschaft mir mehr gibt, als nimmt.
Und auch, wenn ich dank dessen viel Leid in Kauf nehmen muss und Schwierigkeiten habe, loszulassen, ist es doch etwas, was mir hilft, jeden weiteren, einsamen Tag durchzustehen. 
(Quelle: http://myheartisfullwithstress.blogspot.de/2013/09/wir-suchen-nach-liebe-und-rennen.html)

Bildlich gesehen, würde ich diese Eigenschaft als mein "Beatmungsgerät" bezeichnen. 
Natürlich wäre es schön, wenn man darauf verzichten könnte... aber wenn man sich an einem labilen Punkt im Leben befindet und darauf angewiesen ist, dann ist man dankbar dafür, dass es das gibt. 
Es hält mich am Leben und gibt mir die Kraft, jeden weiteren Tag als Chance zu sehen.

In diesem Sinne...

L.H.P. 

Kommentare:

  1. Ich verstehe dich sehr gut. Sprichst mir aus der Seele. :) Das wichtigste im Leben ist, glaube ich, dass man zufrieden mit sich selbst ist und eben so wie du, seine "Schwächen" als Stärken sieht. :)

    Sarina G. Photography

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  2. Ich habs jetzt zweimal gelesen und verstehe den Eintrag nicht. Also.. doch. Aber er sagt nichts. Und fast nichts über dich. Außer vielleicht, dass du verstanden hast, dass es nur hilft, einzuatmen und vorwärts zu gehen. Einatmen, ausatmen. Man hat immer die Wahl. Und das Coole am Atmen ist, dass es automatisch geht, wenn man es nicht zwanghaft verhindert. Und letztendlich hilft es auch nicht, mit sich selbst unzufrieden zu sein. Ein paar Baustellen kann man haben, an denen kann man ggf auch arbeiten, aber es gibt noch keine Alternative zu dem Selbst und am besten geht es sicher, wenn man sich selbst annimmt. Aus Game of Thrones (glaube ich) gibt es den Spruch: Wear yourself like an armor and no one can hurt you. Und das klappt.

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    1. Hallo Fennek,
      also dieser Blogpost sagt schon eine Menge über mich aus.
      Und ich gebe dir auch recht, dass das "Atmen" automatisch funktioniert, jedoch ist dies nicht der Fall, wenn man aufgrund bestimmter Vorkommnisse von einem "Beatmungsgerät" abhängig ist. Soll heißen... würde ich mich von bestimmten Hoffnung, Wünschen und Zielen schneller verabschieden, würde ich mich aufgrund meiner aktuellen Situation und der gesundheitlichen Einschränkung aufgeben bzw. hätte mich schon längst aufgegeben.

      L.H.P.

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    2. Und da kann ich mir vorstellen, dass du irrst. Dieses Beatmungsgerät ist sicherlich genetisch in jedem Lebewesen verankert und setzt nur in äußersten Außnahmesituationen aus. Aber die meisten Dinge passieren den meisten Leuten, und die meisten davon leben noch. Will heißen: Du bist sicherlich ein eher stärkerer Mensch als der Durchschnitt, aber ich denke nicht, dass du befürchten musst, dass diese Stärke von irgendwas abhängig ist und somit kannst du sie vielleicht als Garant dafür sehen, dass es immer weiter gehen kann für dich. Viel Glück. Bin gespannt auf zukünftige Einträge. Gibt es eigentlich Privateinträge, von denen ich nichts weiß? Ich würde gerne mal was ohne die Distanz lesen, etwas, was näher an dir dran ist. Ich kenne mich mit Blogspot auch nicht aus, ich bin nur zum Lesen hier. :)

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    3. Nein, es gibt keine Privateinträge. Es gibt nur das, was es hier zu lesen gibt.
      Ich denke, dass ich genug von mir preisgebe, was im Zusammenhang mit meiner Erkrankung relevant ist. Vielleicht werde ich zukünftig ab und an mal etwas mehr ins Detail gehen oder mal etwas mehr ins Private ausschweifen. Aber das wird sich dann beim Schreiben ergeben ;-)

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