28. Mai 2014

Wahrscheinlichkeitsprüfung

Jeder Mensch hat vor etwas Angst und die Gründe dafür sich äußerst unterschiedlich.
Manche Ängste werden durch bestimmte Erlebnisse ausgelöst, andere wiederum bekommt man im Kindesalter gar "anerzogen" (z.B. die Mutter, die durch ihre eigene Spinnenphobie den Kindern immer wieder signalisiert, dass Spinnen "gefährlich" sind). Und gar nicht so selten treten plötzlich im Leben eines Menschen Ängste auf, die zuvor nie da gewesen sind.

Was mir persönlich in Gesprächen mit anderen Angstpatienten aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass die meisten Patienten zwar genau wissen, wovor sie Angst haben, aber sie nicht genau benennen können, wodurch diese Angst entstanden ist. 
Ich denke, dass es durchaus hilfreich sein kann, die Gründe der Angst zu kennen. Jedoch glaube ich nicht, dass dieses Wissen IMMER erforderlich ist, um Ängste zu besiegen.
 
(Quelle: Sarina G. Photography)

Nach nun fast 7 Jahren mit meiner Angst habe ich die Einstellung entwickelt, dass es nicht wichtig ist, die Angst zu besiegen, sondern zu lernen, damit adäquat umzugehen
Ich glaube, dass man erst einmal lernen muss, seine Situation zu akzeptieren, um durch Strategien und Übungen die Angst zu verringern, bis sie VIELLEICHT eines Tages wieder verschwunden ist.
Warum vielleicht? Ich setze mir gerne Ziele, bin aber auch durchaus frustriert, wenn ich meine Ziele nicht erreichen kann. Daher setze ich mir lieber kleine Ziele, die realistischer sind, um weiterhin motiviert zu bleiben und die Kampfgeist nicht zu verlieren.

Ich bin der Meinung, dass zu den wichtigsten Strategien, um die Angst zu verstehen und zu verringern, die Wahrscheinlichkeitsprüfung gehört.
Was bedeutet dies genau?
Wenn man als Angstpatient konkret sagen kann, wovor man Angst hat, dann ist es in der Regel auch möglich zu benennen, welche Befürchtungen man hat, was in den entsprechenden Situationen passieren könnte.
Und genau an diesem Punkt setzt man an und hinterfragt, ob überhaupt die Wahrscheinlichkeit besteht, dass das befürchtete Szenario eintreffen könnte.
Als Hilfsmittel für diese Überprüfung gibt es einige Fragen, die man sich selbst stellen und ggf. notieren kann.
  • Wovor habe Ich genau Angst? (Löst schon allein der Gedanke daran Angst aus? Welche Befürchtungen habe ich? Welche Katastrophe könnte eintreten? Was denke Ich in solchen Situationen? Wie reagiert mein Körper auf solche Situationen?)
  • Ist diese Situation gefährlich oder gar lebensbedrohlich? Empfinde Ich diese Situation nur als gefährlich / lebensbedrohlich oder ist sie es wirklich? Was spricht dafür?
  • Wie wahrscheinlich ist es, dass diese Situation eintreten wird? 
  • Würde es die Möglichkeit geben, dieses Ereignis zu verhindern? 
  • Was würde passieren, wenn dieses Ereignis eintreffen würde? Wie würde Ich anschließend damit umgehen? Wie könnte Ich es überleben oder anschließend weiterleben? Wie würde sich das Ereignis auf mein weiteres Leben auswirken?
  • Verspüren auch andere Menschen vor diesen Situationen Angst?
Mir persönlich hat die schriftliche Beantwortung dieser Fragen vor einer Weile schon die Augen geöffnet.
Man muss sich nur wirklich einmal die Zeit nehmen, sich in Ruhe hinsetzen, die Fragen durcharbeiten (gerne auch ausführlich) und sich diesbezüglich die entsprechenden Gedanken machen. 

In meinem Fall ist das befürchtete Szenario ja nun mal nicht lebensbedrohlich, sondern einfach nur unangenehm. Aber auch Menschen, die unter Ängsten vor tatsächlich lebensbedrohlichen Ereignissen leiden, kann es durchaus helfen, sich einmal darüber Gedanken zu machen, wie wahrscheinlich das Ganze ist?!

Man nehme z.B. einen Mann, der panische Angst vor dem Fliegen hat, weil er befürchtet, dass Flugzeug könnte abstürzen. Wenn man diese Situation ganz nüchtern betrachtet, liegt die Wahrscheinlichkeit bei 0,00000007 Prozent (lt. weltweit geführten Statistiken), dass man sich in einem abstürzenden Flugzeug befinden könnte. Also auch bei Situationen, die man nicht 100% ausschließen kann, ist es oft jedoch durchaus unwahrscheinlich, dass gerade diese Befürchtungen dann eintreten.




An dieser Stelle möchte ich mich bei Sarina G. bedanken, die mir für diesen Post ihr sehr gelungenes Foto zur Verfügung gestellt hat. Schaut doch mal bei ihr vorbei. 
http://sarinagphotography.blogspot.de/


L.H.P.

Kommentare:

  1. Vielen Dank L.H.P für den super Eintrag und für den Link zu meinem Blog. Mach weiter so. :)

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