11. Juni 2014

Augen auf bei der Wahl des Therapeuten!

Auf Anfrage einer Leserin, werde ich euch in diesem Post etwas darüber erzählen, worauf man bei der Suche nach einem Psychotherapeuten achten sollte und welche Erfahrungen ich diesbezüglich gemacht habe.

Zu erst muss man natürlich klarstellen, dass es verschiedene Therapiearten gibt und natürlich nicht jeder Therapeut, jede Therapieart anbietet. 
Hier eine kurze Zusammenfassung von den zwei üblichsten Therapieformen: 


(Quelle: http://www.abi.de/studium/studiengaenge/grundstaendige/gus/psychologie09459.htm)



  • Psychoanalyse 
    • In dieser Therapieform werden in der Regel mehrere Sitzungen pro Woche über einen langen Zeitraum durchgeführt
    • Der Patient wird angehalten, all das zu verbalisieren, was ihm während der Sitzung durch den Kopf geht und schafft somit dem Therapeuten die Möglichkeit, einen Einblick in die Gedankenwelt des Patienten zu bekommen.
    • Die Psychoanalyse wird normalerweise nur dann durchgeführt, wenn die Ursache einer Angst herausgefunden werden möchte. Voraussetzung ist da meist, dass der Patient sich seiner "wahren Angst" nicht bewusst ist.
    • Während dieser Therapie wird nicht das akute Problem des Patienten analysiert, sondern die verborgenen und verdrängten Konflikte aus der Kindheit.
    • In dieser Therapieart zählt auch die Traumanalyse als wichtiges Werkzeug

  • Verhaltenstherapie
    •  Das Ziel dieser Therapieform ist eine Veränderung eines bestimmten Verhaltens des Patienten
    • Verhaltenstherapeuten versuchen mit bestimmten Techniken unerwünschte Verhaltensweisen zu revidieren bzw. zu verlernen
    • Wenn man bei einer Therapie von "Verhalten" spricht, beinhaltet dies auch Reaktionen, Handlungen, Gedanken und Gefühle, die durch das Lernen beeinflusst werden können
    • Hier geht es ausschließlich um das Verhalten und nicht (wie bei der Psychoanalyse) um unbewusste, verdrängte Probleme aus der Vergangenheit (obwohl diese während der Gesprächsführung auch thematisiert werden können)
Natürlich gibt es noch viel mehr Therapieformen, die angewandt werden können (wie z.B. Autogenes Training, Hypnose, Gestalttherapie, Musiktherapie etc.). Wer dazu noch weitere Informationen benötigt, darf gerne auf folgender Website nachsehen:
http://www.psychologie-info.org/Therapieformen/Therapiearten/therapiearten.html


Wie ich meine Therapeutin gefunden habe und was es zu beachten gibt:

Also bei meiner Erkrankung war es gerade in der Anfangsphase wichtig, einen Therapeuten in näherer Umgebung zu bekommen. Was macht man also, wenn man einen Arzt sucht? Richtig... im Branchenbuch nachschauen. Dort habe ich einige Therapeuten gefunden und einen, nach dem Anderen abtelefoniert
Bei Therapeuten ist es oft so, dass man nur mit Anrufbeantwortern spricht, da die Arbeit eines Therapeuten nun mal aus Gesprächen besteht und bei Gesprächszeiten nicht gestört werden soll. Das heißt, man hört sich die Ansage an, hinterlässt eine kurze Nachricht auf dem Anrufbeantworter und hofft auf Rückruf. Manchmal ist es auch so, dass die Ansage einen Zeitraum benennt, in dem man die Möglichkeit hat, den Therapeuten direkt zu erreichen. 

Am Telefon ist es wichtig, kurz anzudeuten, um was es geht. Der Therapeut kann dann ggf. schon sagen, ob eine Verhaltenstherapie oder eine Psychoanalyse erforderlich ist und ob diese von ihm angeboten wird. 

Als Anrufer ist es ebenfall wichtig zu erfragen, wie der Therapeut die Sitzungen abrechnet.
Warum? Es gibt zwei Möglichkeiten eines Therapeuten die Kosten einzufordern. Entweder wird es durch die Krankenkasse gezahlt oder der Therapeut kann nur privat abrechnen. Das heißt, man muss für die Kosten selbst aufkommen. Daher ist es wichtig, dies am Telefon direkt abzuklären.

Wenn man also beides nun geklärt hat, kommt die nächste Frage.
Ist überhaupt ein Platz beim Therapeuten frei? Aus Gesprächen und auch aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Psychotherapeuten ziemlich ausgebucht sind. Manchmal wartet man bis zu 6 Monaten auf einen freien Platz. Daher ist es wichtig, sich schon mal gedanklich darauf einzustellen, dass man nicht von heute auf morgen dort antanzen kann. 
Empfehlenswert ist es daher, nicht nur mit einem Therapeuten einen Gesprächstermin zu vereinbaren, sondern mit 2-4 Therapeuten. 

Gerade bei einer Psychotherapie ist es wichtig, dass man sich gut aufgehoben fühlt und ein vertrauensvolles Umfeld schafft. Und gerade das ist nicht so einfach. Manchmal stimmt die Chemie nicht oder man redet aneinander vorbei. Vielleicht fühlt man sich auch nicht ernst genommen oder verstanden. Dann ist es auf jeden Fall wichtig, den Therapeuten zu wechseln, um eine erfolgreiche Therapie zu erleichtern.

Die meisten Therapeuten (wenn nicht sogar alle?!) bieten ein Test-/Probegespräch an. Das heißt, dass die erste Sitzung kostenlos ist. Man lernt sich kennen, fängt an, über das Problem zu sprechen und man kann direkt für sich feststellen, ob die Chemie stimmt.
Daher auch die Empfehlung, mehrere Termine bei verschiedenen Therapeuten zu machen. Absagen kann man immer noch ;-)

Bei mir war es so, dass ich 3 Termine bei verschiedenen Therapeuten gemacht habe und ich mich bereits für die erste Therapeutin entschieden habe. Die ersten Sitzungen waren sehr tränenreich und sie saß da, stellte Fragen und war komplett wertungsfrei. Daran muss man sich erst einmal gewöhnen, weil das private Umfeld ja eher seinen "Senf dazu gibt", als einfach neutrale Fragen zu stellen. Aber ich fühlte mich direkt verstanden und gut aufgehoben.
Wenn man von beiden Seiten sich einig ist, wird ein "Therapievertrag" abgeschlossen. 
Mit diesem Vertrag wird oft eine Summe festgelegt, sollten Termine nicht rechtzeitig abgesagt werden.
Das heisst, dass ich z.B. 50€ an meine Therapeutin zahle, wenn ich einen Termin nicht mind. 24 Stunden vorher abgesagt habe (plötzlich auftretende Krankheit ausgeschlossen). 
Das liegt daran, dass die Therapeuten natürlich die freien Stunden nicht abrechnen können, die entstehen, wenn der Patient nicht auftaucht. Daher ist es wichtig, dass die Therapeuten für solche Fälle ihre Einnahmen sichern.

So... ich hoffe, ich konnte damit erst einmal etwas weiterhelfen.
Natürlich stehe ich gerne für weitere Fragen zur Verfügung und bin für weitere Themenvorschläge offen.

In diesem Sinne...

L.H.P.

Kommentare:

  1. Hallo :)
    Ich finde es toll, dass du so ausführlich schreibst und anderen damit vielleicht weiterhilfst! :)
    Ich hab dich getaggt und würde mich freuen, wenn du mitmachen würdest.
    Liebe Grüße,
    Wanda ♥
    Hier geht es zum Post:
    http://wawas-world.blogspot.com/2014/06/wcw-women-crush-wednesday-tag.html

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  2. Wow, das ging ja schnell! Da ist schon was hilfreiches dabei. Bei Ärzten ist man ja oft schon froh, wenn man schnell einen Termin kriegt, ab vielleicht lohnt es sich doch, nochmal jemand anders auszuprobieren.

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    1. Es ist ein interessantes Thema und da dachte ich mir, da setze ich mich doch direkt mal dran. Vor allem, wäre ich selbst gar nicht auf die Idee gekommen, diesbezüglich etwas zu schreiben. Daher bin ich immer froh, wenn solche Anregungen (wie von dir) kommen :)
      Schön finde ich auch, dass es anscheinend einigermaßen hilfreich ist.
      Wenn du dich zur Zeit in einer psychotherapeutischen Behandlung befindest, dich aber dort nicht 100% gut aufgehoben fühlst, würde ich an deiner Stelle mich wirklich parallel noch woanders umschauen. Gerade, weil die Anzahl der Sitzungen ja leider begrenzt sind. Verschwende also nicht die Zeit mit jemandem, dem du dich nicht ganz öffnen kannst. Wäre zu schade drum!

      Ganz liebe Grüße :)
      L.H.P.

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