1. Juni 2014

Gemeinschaftsgefühl

Häufig ist es so, dass man sich gerade bei schwierigen Situationen im Leben ziemlich alleine fühlt. 
Man hat das Gefühl, dass man mit seiner Belastung alleine ist und daher niemand einen versteht oder gar helfen kann. 
Gerade in der Anfangsphase meiner Erkrankung hatte ich ernsthaft das Gefühl, ich sei ein medizinisches Phänomen. Ich habe viele Ärzte aufgesucht und niemand schien so richtig zu wissen, was er mit meiner Symptomatik anfangen soll. Dies verstärkte natürlich dieses Gefühl noch mehr.
Irgendwann bin ich dann auf ein Forum gestoßen, in dem viele psychisch-erkrankte Menschen von ihrem Problemen berichteten. Ich klickte mich durch diese Webseite, bis ich tatsächlich auf ein Thema gestoßen bin, dass ganz genau nach dem klang, was mich belastete. 

(Quelle: http://www.facebook.com/the1975)

Ich öffnete dieses Topic und war erstaunt... es gab tatsächlich Menschen da draußen, die fast genau das Gleiche haben, wie ich. Sie fühlten gleich, ihre Geschichten waren ähnlich und die Ängste und Symptomatiken stimmten mit dem überein, was ich so viele Jahre empfand und nicht zuordnen konnte.
Es fühlte sich für mich wie eine Art "Erlösung" an. Man könnte es gleich stellen, mit einem Fall in ein tiefes, dunkles Loch, wo man nicht weiß, ob man einfach nur weiter fällt oder irgendwann irgendwo aufschlägt... und plötzlich wird man aufgefangen... aufgefangen von Menschen, die Verständnis für das aufbringen können, was für "normale" Menschen so schwer zu verstehen ist.


Als ich mich im August letzten Jahres dazu entschied, einen Blog über mich, meine Erkrankung und meine alltäglichen Probleme zu erstellen, war es für mich ein Bedürfnis, den Menschen, die ähnliches erleiden, zu zeigen, dass es da draußen noch andere Menschen gibt, die ähnliche Ängste und Sorgen haben, wie sie. 
Und natürlich ist es mir noch immer ein Bedürfnis, den Menschen, denen es nicht so ergeht, die Chance zu geben, sich zu informieren und somit Toleranz zu schaffen. Toleranz für Menschen, die vielleicht "anders" sind, "anders" denken und vor allem "anders" empfinden.

In den letzten 1 1/2 Monaten sind die Aufrufe meines Blogs stark angestiegen. Natürlich freue ich mich darüber, weil ich einfach merke, dass anscheinend Interesse besteht und das Thema bei einigen Lesern zum Nachdenken anregt.



Ich bekomme auch Nachrichten... Nachrichten von euch, den Lesern.
Man schreibt mir von ähnlichen Erfahrungen. Man öffnet sich mir gegenüber und teilt mir mit, dass gleiche oder ähnliche Ängste bestehen. Man schreibt, dass die Erfahrungen, die ich bisher gemacht habe, ihnen nicht fremd sind und erklärt mir, wie sie bisher solche Situationen meistern konnten oder das sie bisher noch keinen Weg gefunden haben, damit umzugehen.
Ich freue mich über jede dieser Nachrichten. Ich freue mich darüber, dass ich es schaffen konnte, bei euch, den Lesern, durchzudringen. 

Und ich danke wirklich jedem von euch, dass er sich die Zeit nimmt, meine Blogposts zu verfolgen und mir die Chance gibt, Gedankengänge anzuregen und Erfahrungen mit euch auszutauschen.
Natürlich wird jede Nachricht, die mich erreicht, vertraulich behandelt. Niemand muss sich darum sorgen, dass ich die Nachrichten auf irgendeine Art und Weise breittrete. 

Ich finde es wichtig, dass gerade bei einem derartigen "Tabuthema" Offenheit geschaffen wird und ein Gemeinschaftsgefühl entwickelt wird. 
Wir sind nicht alleine! Es gibt so viele Menschen da draußen, die seit Jahren unter ähnlichen Symptomen leiden und es aber bisher niemandem gesagt haben. Gerade ältere Herrschaften verschweigen psychische Erkrankungen, weil sie von der Gesellschaft nicht verstanden werden. Es ist ihnen peinlich und wird daher totgeschwiegen. Aber das kann keine Lösung sein.

Auch, wenn eine Gruppe von Menschen, unter verschieden Ängsten leidet, ist es doch so, dass die Symptome und die Gedankengänge sehr ähnlich sind. Gerade dies sollte die Basis sein, zueinander zu finden und gemeinsam an diesen Problemen zu arbeiten.
Seid mutig, sucht Kontakte und steht zu dem, wie es euch geht. 

Nochmals möchte ich mich an dieser Stelle bei euch, für das bisher erwiesene Vertrauen bedanken, was ihr mir geschenkt habt.
Bleibt weiter so offen und glaubt daran, dass es besser wird. Wenn nicht heute, dann morgen.

In diesem Sinne...

L.H.P. 


 

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