14. Juni 2014

Hab ich mich verändert?

Hat mich meine Angst als Mensch verändert? Ja, hat sie.
Finde ich das schlimm? Nein, tue ich nicht. 

Warum auch?! Meine Angst fing an, als ich gerade 20 Jahre alt war. Gerade in diesen Jahren verändern sich alle Menschen. Sie werden reifer, beginnen Zukunftspläne zu schmieden oder genau an diesen zu arbeiten. 
Sie denke über viel erwachsenere Dinge nach, als jemand in der Pubertät. 
Und genau an diesem Punkt musste ich lernen, wieder von Vorne anzufangen. 






Plötzlich wurde mir alles genommen, so dass ich mir wieder jedes Stückchen Selbstständigkeit und Freiheit erarbeiten musste. Und genau das hat mich geprägt.
Ich habe viele Menschen aus meinem Leben verloren, weil sie mit dem, was mich blockierte nicht zurechtkamen. Und plötzlich steht man alleine da.
Aber macht mich das zu einer schlechteren Version von dem, was ich sein könnte?
Nein, definitiv nicht. 

Ich bin aufgrund dessen, was mir passiert ist, mit Sicherheit um einiges stärker, aber zugleich auch zerbrechlicher als Andere. Ich kann die Kleinigkeiten im Leben (und wenn es nur ein Besuch im Schwimmbad oder ein Spaziergang im Wald ist) viel mehr genießen, als jemand, für den dies etwas Selbstverständliches ist.
Trotz vieler Rückschläge und immer wieder aufkommender Einsamkeit, habe ich meinen Humor nicht verloren. Obwohl ich die meiste Zeit alleine bin, kann ich trotzdem gut auf andere Menschen zugehen. Ich kann Gespräche am Laufen halten, kann rumalbern und mich gut in eine Gruppe integrieren. Gerade die Zeit in der Reha und die Menschen, die ich dort kennenlernte, haben mir gezeigt, dass ich genau richtig bin, so wie ich bin. Die wenigen Menschen, die ich in den letzten 7 Jahren kennenlernte, zeigen mir noch heute, dass sie mich wertschätzen und nicht missen möchten.
Eigentlich würde ich sogar behaupten, dass die Angst die beste Version aus mir gemacht hat, die ich zu diesem Zeitpunkt sein kann (rein menschlich betrachtet). 

Natürlich habe ich mich verändert. Das haben wir alle?!
Und natürlich hat auch die Angst ihr Wesentliches dazu beigetragen. Aber ich würde nicht behaupten, dass ich mich dadurch auf einer negativen Art und Weise verändert habe.

Ich bin stolz darauf, dass ich bin, wie ich bin. Mit all meinen Macken. Mit meinem Humor und meiner Wertschätzung anderen Menschen gegenüber. Mit all den Momenten, wo ich ernst bin und all denen, in denen ich albern sein kann. Mit all den Momenten, in denen ich deprimiert und traurig bin. Denn genau diese Momente geben mir die Möglichkeit, mich über Kleinigkeiten im Leben zu erfreuen.

Ich brauche weder Mitleid noch Anteilnahme. Denn es gibt Menschen, denen es viel schlechter geht als mir. Menschen, denen die Kraft fehlt, Tag für Tag weiterzukämpfen. Menschen, die sich ständig fragen "wozu überhaupt?". 

Hat mich meine Angst als Mensch verändert? Ja, hat sie.
Finde ich das schlimm? Nein, tue ich nicht.

In diesem Sinne...

L.H.P.

Kommentare:

  1. Schön, dass du so zufrieden mit dir selbst bist und deine Angst akzeptiert hast und damit lebst. Finde es schade, dass du viele deiner Freunde verloren hast durch die Angst. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass es für viele Menschen nicht leicht zu verstehen ist, was in einem vorgeht. Wie kann man vor etwas Angst haben, wozu es eigentlich gar keinen Grund gibt? Allerdings denke ich auch, dass deine alten Freude einfach nicht die richtigen waren. Man muss die Menschen so akzeptieren wie sie sind, auch wenn man es vielleicht nicht immer verstehen kann. Dein Blog zeigt, dass man nicht alleine ist und dass eine solche Angststörung das Leben nicht nur negativ verändern kann, sondern dass man daran wachsen und das Leben aus einer anderen Perspektive kennenlernen kann. :)

    Sarina G.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wow, das sind wirklich sehr liebe Worte. Vielen Dank :)
      Und ja, du hast recht... wenn die Menschen in deinem Umfeld die Ängste und Sorgen nicht verstehen, dann sind es auch nicht die richtigen Menschen, mit denen man sich umgeben sollte. Andersrum mache ich denen auch keinen Vorwurf. Ich selbst könnte gar nicht sagen, wie ich damals damit umgegangen wäre, wenn ich jemanden gekannt hätte, der sich so verhalten hat, wie ich. Gerade in dem Alter ist man viel unterwegs, will neue Leute und neue Orte kennenlernen. Und wer nicht mitzieht, geht auf dem Weg verloren?!

      Ich danke dir auch dafür, dass du genau das geschrieben hast, was ich mir von diesem Blog erhofft habe. Ich möchte zeigen, dass man mit seiner Angst nicht alleine ist. Dass es da draußen noch mehrere Leute gibt, die ähnliches empfinden. Und auch für mich ist es immer wieder schön, Nachrichten zu erhalten, in denen ich erfahre, dass es manchen Lesern ähnlich geht.

      Also vielen Dank Sarina :)

      Löschen