13. Juni 2014

Pessimismus

Kinder erfreuen sich am hier und jetzt. Sie genießen die Zeit mit ihren Freunden, machen Unsinn, ohne über die Konsequenzen nachzudenken und sind heute glücklich, ohne an morgen zu denken.
Diese Unbekümmertheit geht aber doch sehr vielen Menschen verloren. So erging es auch mir.

Ich glaube, bei mir begann es in der Schulzeit...


...man hatte ständig Hausaufgaben auf und hatte ein schlechtes Gewissen, wenn man den Nachmittag mit anderen Dingen verbracht hat, weil man wusste, dass es am nächsten Tag in der Schule Stress geben könnte. Dann waren da noch die Klausuren. Seit dem Gymnasium bin ich grundsätzlich vorher immer von einer schlechten Note ausgegangen, um mich darüber zu erfreuen, wenn die Note doch besser ausfiel. Irgendwo, in diesem Lebensabschnitt, wurde ich zur Pessimistin
Ich habe mir selbst beigebracht, meist vom Schlechten auszugehen, um mich darüber zu freuen, wenn es doch am Ende anders kam. Somit versuchte ich Enttäuschungen zu vermeiden. Denn wenn man sich vorher schon auf etwas freut und es am Ende nicht eintritt, dann ist die Enttäuschung natürlich groß.

Ich weiß auch noch, dass ich bei Streitigkeiten zwischen meinen Eltern oft gedacht habe, dass sie sich nun scheiden lassen (was mir aber keine Sorgen bereitete, schließlich war ich gedanklich ja vorbereitet). Dabei sind sie bis heute noch glücklich verheiratet. 

Ich denke, dass ich damals schon mit diesem "was wäre, wenn..."- Gedanken angefangen habe?!

In manchen Situationen (gerade, wenn ich zurückblicke) bin ich froh, dass ich so bin. Aber oftmals ist es auch so, dass ich mich ärgere, weil ich einfach selten "Vorfreude" empfinde. Ich bin grundsätzlich skeptisch und kann mich daher nur vorsichtig auf manche Situationen einlassen.
Natürlich gibt es auch seltene Momente, in denen ich (für mich) alles auf eine Karte setze und mich über etwas freue, was bisher noch nicht eingetreten ist. Allerdings bekräftigen diese Momente auch immer wieder meine eigentliche Einstellung, da es oft in der Vergangenheit mit Enttäuschungen endete. 

Ich weiß, dass Enttäuschungen zum Leben dazu gehören und ich weiß auch, dass man sich nicht davor schützen kann. Nur ist es oft so, dass ich nicht von bestimmten Personen oder bestimmten Gegebenheiten enttäuscht bin, sondern meist von mir selbst. 
"Selbst Schuld. Warum hast du der Person auch vertraut?", "Selbst Schuld, warum hast du das auch gemacht?", "Selbst Schuld, warum hast du dir nicht mehr Mühe gegeben?"
Ich suche oftmals die Fehler bei mir selbst und versuche aus den Enttäuschungen zu lernen
Aber dies führt dann nur dazu, dass ich in Zukunft noch skeptischer und pessimistischer werde, mit der Hoffnung, eine positive Überraschung zu erleben.

Oftmals frage ich mich, bis zu welchem Punkt so etwas noch "gesund" ist?!
Ich würde mich noch nicht als "krank" einstufen, aber ich kann mir gut vorstellen, dass es Menschen gibt, die "krankhaft pessimistisch" sind.
Sie schauen aus dem Fenster, die Sonne scheint und sie denken sich "wird doch eh gleich wieder regnen".
Oder sie überlegen sich, etwas zu Essen zu bestellen und denken sich "das Essen ist eh kalt, wenn es hier ankommt. Und schmecken wird es wahrscheinlich auch nicht" und lassen es dann.
So stelle ich mir "krankhaften" Pessimismus vor.

Zur Entwarnung: Soweit ist es bei mir noch lange nicht ;-)

Ich glaube aber auch, dass es wichtig ist, dass man seine eigene Grundeinstellung zu manchen Dingen hinterfragt. Ist es notwendig, in dieser oder jener Situation so oder so zu empfinden? Macht es Sinn, es jetzt schon schlecht zu reden? Ist es vielleicht angebracht, einfach mal ein Risiko einzugehen und sich, solange es da ist, darüber zu erfreuen?

Es scheint ein schwieriges Thema zu sein?! Und ich glaube auch, dass nur jeder für sich selbst darauf eine Antwort findet. Wie viel Risiko muss/kann man eingehen?

In diesem Sinne...

L.H.P.

Kommentare:

  1. Mhm. Schwierig. Ich halte einen gewissen Grad an Pessimismus für angebracht. Böse Menschen, wie ich, nennen das "Realismus". Beispiel: Man möchte 42km wandern und packt dafür nur Sandalen ein - bin ich pessimistisch, wenn ich sage: "Damit hälst du nicht durch?" Ich denke nicht. Aber ich bin pessimistischer, als sie in der Sache. Am Ende hatte ich übrigens Recht...

    ...und das ist bei mir sehr oft so, wenn ich eher pessimistisch eingestellt bin. Ich sehe viele Möglichkeiten und Wege, wie es sein könnte, wie etwas umsetzbar ist und vergleiche sie mit anderen Dingen, meist Menschen, und komme zum Schluss, dass das schlimmste Szenario anzunehmen ist. Was meist auch stimmt. Wenn es nicht stimmt, dann ist es für mich auch nicht erfreulich, da ich die Situation bereits im Vornerein bedacht habe und die Überraschung wegfällt.

    Mein Tipp in jeder stressigen Situation, in dem man sich das schlimmste vorstellen kann: Tief durchatmen und alle Alternativen raussuchen. Es gibt immer mehr als 3 Möglichkeiten. Immer. Und irgendeine wird schon gefallen und man kann dahin wirken - wenn nicht, dann hat man ja noch Plan B :D

    Klingt kompliziert, oder?

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    1. Ich verstehe, was du meinst. Wenn jemand zu mir sagt, ich sei zu pessimistisch, konter ich mit "Ich bin kein Pessimist, ich bin Realist!".... aber das dient eigentlich nur zur eigenen Verteidigung. Man müsste schon genau die Grenzen zwischen Pessimismus und Realismus festlegen, obwohl ich glaube, dass es dort einen fließenden Übergang gibt.
      Und Plan B klingt immer gut ;-)

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  2. Danke für deinen lieben Kommentar! :)

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