20. Juli 2014

Für sich selbst einstehen...

Diese Woche gab es ein Gespräch, welches ein klassisches Bild für mein aktuelles Lebens und meiner Situation darstellt. 
Es spielte sich folgende Szene ab.

Meine Kollegin spricht mich auf die Weihnachtsfeiern des Unternehmens an.


Kollegin:" Wir hatten überlegt, dieses Jahr in ein Musical zu gehen"
Ich:" Schön, aber da werde ich dann höchstwahrscheinlich nicht mitkommen?!"
Kollegin:" Wieso nicht?"
Ich:" Wegen meinem "Problem"? 1. weiß ich nicht, wie ich da hinkommen soll und 2. hab ich dann leider nicht viel davon, weil ich ständig raus muss."
Kollegin:" Ja, aber der Chef wird sicherlich nicht irgendwas hier in der Nähe machen wollen?!"
Ich:" Dann ist das eben so?! Ich möchte ja auch nicht, dass Sie auf irgendetwas verzichten müssen. Wenn Sie gerne ein Musical besuchen möchten, dann können Sie das doch gerne tun. Ich möchte nicht, dass man auf mich Rücksicht nimmt"
Kollegin:" Aber der Chef wird schon wollen, dass sie dabei sind!"
Ich:" Aber wenn es nicht geht, geht es eben nicht?!"
Kollegin:" Das wird er so nicht akzeptieren! Das kann ich Ihnen jetzt schon sagen..."


Ich:" Das wird er wohl müssen?!"
Kollegin:"... der macht da eine Pflichtveranstaltung draus?!"
Ich:" Wenn das so ist, dann bin ich eben krank?!"

Das Gespräch ging noch eine Weile so und die Kollegin versuchte mich immer wieder davon zu überzeugen, dass es Schwierigkeiten mit meinem Vorgesetzten geben wird, sollte ich mich weigern, an den Weihnachtsfeierlichkeiten teilzunehmen. Darauf bin ich aber eingestellt.

Im Prinzip ist es egal, ob es in diesem Gespräch nun um die Weihnachtsfeier ging und ob wir zu einem Kompromiss gekommen sind.

Aber genau solche Aussagen sind genau das, was die Schwierigkeit meines Lebens beschreibt.

Das Belastende an meiner Angst ist nicht die Tatsache, dass ich Angst habe. Es geht eher darum, dass ich für meine Mitmenschen eine Art "Belastung" darstelle. Ständig muss ich mich rechtfertigen, ständig muss ich für mich selbst einstehen und ständig verspüre ich Druck von Außen. 
Selbst, wenn kein Druck besteht, meine ich, dass ich Dieses oder Jenes doch tun muss, um von Anderen nicht ausgegrenzt zu werden.

Für mich ist es so, dass ich mich und das Problem akzeptiert habe. Ich habe akzeptiert, dass ich eben nicht alles auf Anhieb machen kann. Ich habe akzeptiert, dass ich mich manchmal "komisch" fühle und musste lernen, dass ich mir selbst für die einfachsten Dinge Mut zusprechen muss.
Wenn ich mir aber vorstelle, dass dies nicht der Fall wäre und ich selbst noch mit mir und meinem Problem hader, dann würden mich solche Gespräche jedes Mal zurückwerfen und demotivieren. 

Ich glaube, dass anhand dieses Beispiels auch Nicht-Betroffene nachvollziehen können, welchem Druck man ausgesetzt ist, wenn man sich ständig für etwas rechtfertigen muss und wie belastend das sein kann.
Natürlich wünschte ich mir, ich könnte mal wieder ins Kino gehen oder ein Musical besuchen?!
Aber zum aktuellen Zeitpunkt ist dies für mich nur schwer vorstellbar bzw. wollte ich dies in meiner Freizeit "ausprobieren" und nicht unbedingt in einem formellen Umfeld mit meinen Arbeitskollegen. 

Es ist eben schwierig damit zu leben und das wird es auch weiterhin sein. Wichtig ist nur, dass man für sich begreift, dass man für sich selbst einstehen muss, weil es sonst kein Anderer tut.

L.H.P. 

Kommentare:

  1. Ich kann dich total verstehen. Ich finde deine Reaktion verständlich und gut. Du scheinst damit gut für dich zu sorgen und das ist das wichtigste! Lg Petra

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  2. Und wenn man doch mitgeht und es ist irgendwas, hatten alle ja keine Ahnung und OMG *o*

    Ich finde deine Reaktion angemessen :) Irgendwann wird's auch der letzte kapieren!

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