4. Juli 2014

Psychische Erkrankungen gesellschaftskonform?

Irgendwie haben wir alle doch unsere Wehwehchen. Irgendwie kenne ich kaum jemanden, der nicht ab und an über Beschwerden klagt.
Bei dem einen ist es die Bandscheibe, bei dem anderen ein Karpaltunnelsyndrom und dann wären da noch die Migränepatienten. Immer hat irgendwer irgendwas. 
Und in der Regel bringen die Menschen in deren Umfeld das nötige Verständnis auf.

Aber was ist mit psychischen Erkrankungen?
In den letzten 3 Jahren ist das "Burn-out Syndrom" stark "in Mode gekommen".
Ähnlich wie die Laktoseintoleranz ist diese Erkrankung ein Zug, auf den viele Menschen aufspringen.
Dass Burn-out jedoch eine ernstzunehmende Form einer Depression ist, wissen nur die wenigsten. 
Und die, die wirklich davon betroffen sind, leiden leider darunter, dass irgendwie gefühlt jeder vierte über Burn-out klagt, obwohl dies nicht den Tatsachen entspricht.





Abgesehen von Burn-out, gibt es leider nur wenig psychische Erkrankungen, die von der Gesellschaft so offen aufgenommen werden.
Kaum jemand stellt sich hin und klagt über Schizophrenie, Borderline, einer Essstörung oder Angstzuständen?!
Solche Erkrankungen werden verschwiegen und finden auch wenig Verständnis bei Menschen, die zuvor noch nichts damit zutun haben.
Es gibt sogar Menschen, die solche Einschränkungen "gruselig" finden, weil sie sich eben nie mit dem Thema beschäftigen mussten und nur spärliche Informationen aus Film und Fernsehen haben.

Ich persönlich habe bisher (zum Glück) die Erfahrung gemacht, dass die Menschen sehr interessiert an meiner Erkrankung waren/ sind. 
"Seit wann haben Sie das?"
"Wie äußert sich das?"
"Wann tritt so etwas auf?"
Solche und noch viele weitere Fragen werden mir dann häufiger gestellt.
Ob mich das nervt? Nein! Im Gegenteil... ich bin froh, wenn mir Interesse entgegen gebracht wird, ich mich erklären kann und somit Missverständnisse aus dem Weg räumen kann.
Ich fühle mich dadurch auch ernst genommen.

Ich bin der Meinung, dass eine psychische Erkrankung nichts ist, mit dem man sich verstecken sollte?!
Es ist eben, wie es ist und kein Betroffener hat sich das ausgesucht.
Nur, wenn das Umfeld davon weiß, kann es bestimmte Situationen besser deuten oder beurteilen.
Sie können Verständnis aufbringen und nicht manche Verhaltensweisen fehlinterpretieren.

Es geht nicht darum Mitleid zu bekommen. Es geht auch nicht darum, dass das Umfeld Rücksicht nehmen soll. Es geht lediglich um Verständnis und Toleranz.
Ich weiß, dass es schwierig ist/ sein kann, zu einer psychischen Erkrankung zu stehen.
Ich möchte auch nicht dazu aufrufen, dass man dies jedem x-beliebigen Menschen vor den Kopf wirft. 
Jedoch glaube ich, dass gerade Menschen im unmittelbaren Umfeld (Familie, Freunde, Arbeitskollegen...) zumindest die Möglichkeit bekommen sollten, Verständnis für bestimmte Denkweisen oder Verhaltensmuster aufbringen zu können. 

Ich habe bisher nicht erlebt, dass mich jemand verurteilt hat. Zumindest nicht offensichtlich.
Und dafür bin ich sehr dankbar. 
Ich glaube aber auch, dass es wichtig ist, die Erkrankung dem Gegenüber so transparent wie möglich zu machen, um so wenig offene Fragen wie möglich zu hinterlassen.

Wann tritt es auf? Wieso tritt es auf? Welche Gedanken führen zum Auftreten des Verhaltensmusters?
Wie äußert sich die Erkrankung? Ist man eingeschränkt? Und wenn ja, inwiefern?

Wenn man es einmal geschafft hat, sich einem Menschen gegenüber zu öffnen, ist es gar nicht mehr soooo schwer, dies auch bei anderen Menschen zutun.
Es bedarf viel Mut, aber wer psychisch erkrankt ist, weiß, dass zu vielen anderen Situationen auch viel Mut gehört und diesen schon ziemlich häufig aufbringen musste. Und wenn man das doch schon so oft gepackt hat, dann schafft man auch diesen Schritt noch?!

Seid mutig und gebt Nicht-Betroffenen die Chance, Toleranz und Verständnis aufzubringen!

In diesem Sinne...

L.H.P. 

Kommentare:

  1. Burn-Out ist ja schon die Endstation, davor gibt es auch noch 'genügend Stadien'.
    Und -was auch immer wieder außer acht gelassen wird- es gibt auch Menschen, die emotional einfach empfindlicher, und somit (schneller) anfälliger sind, was psychische Krankheiten betrifft.
    Ich kann davon wirklich ein Liedchen singen....und wurde früher von Ärzten nie ernst genommen.
    Welche Erfahrungen ich gemacht habe, sind, dass psychisch kranke Menschen, die sich mir 'anvertraut' hatten, sich selbst nie ernsthaft mit ihrer Sache auseinander gesetzt hatten, und irgendwie auch nicht bereit waren, sich helfen zu lassen. Vielleicht liegt es wirklich am Alter. Heutzutage treffe ich schon auf mehr Interesse, Ernsthaftigkeit und vor allem auch den Willen, geheilt werden zu wollen.

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    1. Vielen Dank für dein Kommentar :)
      Ich gebe dir recht. Als das alles bei mir anfing, war mir ja auch erst nicht bekannt, dass es sich bei der Ursache meiner Einschränkung um ein psychisches Leiden handelt. Bis man diese Erkenntnis erlangt, ist es ein langer Weg und man sitzt bei vielen, vielen Ärzten, erklärt sich immer wieder neu, damit so etwas kommt wie "Hmm... hab ich so noch nie gehört" oder "Ich würde das gerne mal etwas ausprobieren?!".
      Aber wenn man dann endlich weiß, um was es geht, sollte man zu erst natürlich versuchen, für sich selbst diesen "Zustand" zu akzeptieren. Und wenn man es selbst ernst nimmt, fällt es dem Umfeld auch leichter, das alles ernst zu nehmen.

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