6. August 2014

Begeisterungsfähigkeit

In letzter Zeit ist mir aufgefallen, dass ich nur schwer für Dinge zu begeistern bin.
Eigentlich wusste ich schon immer, dass es bei mir so ist, aber in letzter Zeit ist es mir dann doch immer wieder massiv aufgefallen.

Wenn mir Menschen von ihren Freizeitaktivitäten erzählen oder mir von ihren Leidenschaften berichten, nehme ich das gerne so zur Kenntnis, aber kann mich irgendwie nicht davon mitreißen lassen.
Ich sehe, dass mein Gegenüber total in der Erzählung und in dem Erlebten aufgeht, voller Freude und Begeisterung davon spricht und ich stehe nur da... und denke mir meinen Teil...
Um Interesse zu signalisieren (was ich in der Situation nur aus reiner Höflichkeit tue), grinse ich und stelle Fragen. Fragen, dessen Antworten mich eigentlich nicht sonderlich interessieren.
Aber so bin ich eben... höflich, statt direkt.
Häufig kommt es auch vor, dass nach dieser inbrünstigen und ausschweifenden Erzählung meine Meinung gefragt ist und ich es dann irgendwie für mich schlecht rede.
Nicht, weil es in dem Moment wirklich schlecht ist, sondern einfach nur, um meinem Gegenüber zu signalisieren, dass mich das ganze Thema gerade äußert wenig anspricht.

Ich beneide die Menschen, die für sich etwas finden, in dem sie komplett aufgehen. 
Ich selbst habe einige Dinge, die mich reizen, aber nur wenige, in denen ich mich so richtig ausleben kann.




In den letzten ... ich glaube... 4-5 Jahren hatte ich wirklich nichts, was mich so richtig ausfüllte. Mein Job war eben nur ein Job. Freunde hatte ich kaum. Richtige "Hobbys" gab es nicht. 
Heute sieht es nur bedingt anders aus. Mein Job ist zwar zur Zeit eine neue, mich reizende Herausforderung, aber ich weiß, dass dies irgendwann auch nur noch Routine wird. 
Freunde habe ich noch immer kaum. Und Hobbys... nun ja... da hat sich doch etwas geändert.
Ich treibe regelmäßig Sport (was man mir aber leider noch nicht ansieht), ich kann meine liebe für Musik und fürs Schreiben ausleben und dann gibt es ja noch Qi Gong (auch, wenn zur Zeit "Sommerpause" ist).
Meine Freizeitgestaltung ist momentan einfach ausgefüllter, was mich auch um einiges zufriedener macht.

Mir fällt es also schwer, mich für etwas zu begeistern. Aber tue ich es einmal, dann bin ich auch mit ganzem Elan und Überzeugung dabei. 

Also was ist besser? Sich für viele Dinge schnell begeistern zu können oder nur wenige Dinge, mit vollem Herzen zu mögen?

L.H.P.

Kommentare:

  1. Das hört sich total traurig an, leblos, leer und still.
    Ich als kompletters Gegenteil, durch und durch Gefühlsmensch, kann das nicht verstehen, dass man so sein kann, dass man die schönen Dinge nicht sieht und so 'isoliert' (über)leben kann. Würde ich merken, dass mir jemand, der mir wichtig ist, nur aus Höflichkeit zuhört und generell desinteressiert mit mir redet, von dem würde ich mich abwenden. Denn das ist keine Freundschaften für mich. Freundschaft besteht aus Interesse und Zuneigung, geben sowie nehmen.
    Auch wenn ich mich schnell für Dinge begeistern kann, auch wenn mir das selbst manchmal too much ist, so bin ich froh darüber, so zu sein..

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  2. Naja, ich würde es nicht unbedingt so negativ betrachten. Mir geht es ja gut damit und ich erfreue mich durchaus auch noch an Kleinigkeiten. Aber mir fällt es schwer, mich für Dinge zu begeistern, denen ich auch vorher schon kein Interesse geschenkt habe. Und wenn es um wichtige Dinge geht, habe ich Interesse... egal, ob es Familie, Freunde, Bekannte oder Arbeitskollegen sind...
    aber wenn mir z.B. jemand ausschweifend davon erzählt, dass er/sie eine tolle neue Strecke zum Joggen gefunden hat oder am Wochenende in einem Club war, dann warte ich immer darauf, dass es noch spannend wird.... sollte das aber schon das sein, was mir mein Gegenüber sagen möchte, dann tut es mir leid, aber dann kann ich mich einfach nicht für so etwas begeistern.

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  3. Ich erkenne mich in den Worten wieder :) klasse geschrieben

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