15. August 2014

Was passiert, wenn ich nicht mehr bin?

Einige Personen in meiner Familie sind in einem Alter, in dem man sich Gedanken darüber machen sollte, was passiert, wenn ihnen etwas passiert und sie eines Tages nicht mehr da sind?!
Aus diesem Anlass wurde in letzter Zeit viel darüber gesprochen, welche Vorkehrungen getroffen werden sollten. Und auch mich persönlich hat das Thema sehr beschäftigt...

... welche Vorkehrungen kann man treffen?
... ab wann macht es Sinn, sich damit zu beschäftigen?
... sollte man nicht immer damit rechnen, dass etwas passieren könnte?

Beim Aufnahmegespräch in der Reha-Klinik wurde ich gefragt, ob ich jemals an Suizid gedacht habe?!
Auf diese Frage konnte ich nicht konkret mit einem "Nein" antworten.
Nicht, weil ich jemals wirklich über Suizid nachgedacht hatte.
Viel mehr lag es daran, dass ich nicht wusste, ab wann man von "Suizidgedanken" spricht.


Ich erklärte dem Therapeuten, dass es durchaus mal Situationen gab, wo ich mir über bestimmte Dinge den Kopf zerbrochen habe. 


Ich erinnere mich daran, wie ich abends auf meinem Balkon stand, runterblickte und mir dachte "Wenn du jetzt einfach springst, dann könnte alles einfach vorbei sein."
Ist das etwa schon ein "Suizidgedanke"?
Es gab durchaus aus Nächte, wo ich wach im Bett lag, mir die Tränen die Wangen herunterliefen und ich mir einfach wünschte, dass das alles einfach vorbei geht?!
Spricht man in solchen Fällen von "Suizidgedanken"?
Der Therapeut gab mir zu verstehen, dass jeder Mal an einem Punkt im Leben ist, wo solche Gedanken auftauchen. Und er erklärte mir, dass dies im Prinzip harmlose und verständliche Gedanken sind (wenn man meine Situation betrachtet), die aber ja nicht konkret zu einem Suizid führen.

Aber auch die Erinnerung an diese Situationen zeigte mir, wie schnell doch alles vorbei sein könnte.
Egal, ob selbst verschuldet, durch Einwirkungen von außen, durch Krankheit oder einfach durch das Alter.

Eine, meiner ersten "Hausaufgaben" während der Reha war, dass ich aufschreiben sollte, was ich tun würde, wenn ich nur noch...
... einen Tag zu leben hätte
... 6 Monate zu leben hätte.
Beim Beantworten dieser Fragen wurde eins deutlich:
Ich gehöre nicht zu den Menschen, die bestimmte Dinge getan haben möchten, bevor sie sterben.
Ich möchte nicht die Welt bereisen oder andere Dinge tun, die man vielleicht ohne den Gedanken an den Tod, nicht tun würde.
Ich gehöre zu der Sorte Mensch, die lieber alte Erinnerungen auffrischt.
Ich würde Orte aufsuchen, die mich in der Vergangenheit geprägt haben. Ich würde Speisen essen wollen, die ich als Kind liebte. Ich würde Menschen Briefe schreiben und ihnen mitteilen wollen, wie wichtig sie mir sind. Ich würde zum Schluss viele Fotos machen, um den Hinterbliebenen festgehaltene Erinnerungen zu hinterlassen. Und am Ende würde ich nur noch ans Meer fahren wollen und mit dem Blick gen Horizont darauf warten wollen, dass es vorbei ist.

Wie man in den vorherigen Posts vielleicht schon herauslesen konnte, gehöre ich definitiv zu den "Planern".
Ich schmiede Pläne, versuche diese zu realisieren und versuche darauf vorbereitet zu sein, sollte ein Plan nicht so ausgehen, wie erhofft.
Daher habe ich eine Lebensversicherung. Wofür? Um meinen Hinterbliebenen die Chance zu geben, sich meiner menschlichen Überreste zu entledigen, ohne das weitere Kosten auf sie zukommen.
Vielleicht ist auch hier der innere Wunsch prägnant, meinen Mitmenschen (selbst nach meinem Tode) nicht unnötig zur Last zu fallen.... wer weiß?!

Einige Familienmitglieder haben sich auch um Patientenverfügungen gekümmert. Im Prinzip finde ich das eine wirklich gute Idee (auch, wenn ich zu den Menschen gehöre, die über das Leben einer anderen Person entscheiden müsste). Würde ich das für mich selbst auch schon in Erwägung ziehen?
Zurzeit würde ich das mit "Nein" beantworten.
Eigentlich bin ich, was den Tod betrifft, eine ziemlich rational denkende Person.
Aber der Gedanke daran, mich jetzt schon mit lebenserhaltenden Maßnahmen (für mich selbst) beschäftigen zu müssen, kommt vom Gefühl her den Gedanken gleich, die mich damals nachts im Bett verfolgten.
Ich mag eigentlich noch gar nicht so konkret daran denken. Dafür fühle ich mich noch zu jung.
Ich weiß... man ist nie zu jung dafür?!

In letzter Zeit habe ich mich komischerweise ziemlich häufig verschluckt. Eigentlich nichts Schlimmes.
Aber als ich da saß und nach Luft ringte, kam mir der Gedanke "wenn du jetzt hier abnippelst, wird es keiner mitkriegen. Man wird dich erst finden, wenn ein übler Geruch aus deiner Wohnung kommt oder die Katzen an der Haustür brüllen". Allein dieser Gedanke ist doch ziemlich traurig und beängstigend zu gleich.
In diesem Zusammenhang wurde mir auch klar, dass ich keinerlei Daten von Personen bei mir trage.
Selbst wenn ich nicht zuhause ersticke oder mir beim Fensterputzen das Genick breche, würde kein Mensch wissen, wohin ich gehöre. Ich habe keine Kontaktdaten von meiner Familie bei mir. Nur durch Recherche könnte das Krankenhaus (oder sonst wer) ausfindig machen, wer zu mir gehört und wer informiert werden sollte.
Fazit: Ich bin diesbezüglich einfach schlecht vorbereitet.

Wie seht ihr das? Habt ihr euch bereits darüber Gedanken gemacht?
Habt ihr Vorkehrungen getroffen?  Wie denkt ihr über das Thema?

L.H.P.

Kommentare:

  1. Oh.... ganz, ganz schweres Thema.

    Zum Thema Patientenverfügung: Ich finde es generell gut ein solches Schreiben ab einem gewissen Alter aufzusetzen. Dann haben alle Klarheit. Wichtig dabei sollte sein, dass mit der verantwortlichen Person gesprochen wird, welche Wünsche der Patient hat; ob Wiederbelebung: ja/nein. Nach wie vielen Sekunden? Mit Maschinen am Leben erhalten etc. etc. Ich war noch nie in einer solchen ultimativen Situation, aber ich kann mir vorstellen, dass "den Stecker ziehen" ein bisschen leichter fällt, wenn der andere dies so möchte - was es nach wie vor nicht einfach macht.
    Bei einer schweren Krankheit oder fortgeschrittenem Alter (ab 30 - 40 Jahren, je nach Lebensstil und Hobby) kann eine Patientenverfügung angebracht sein.

    Zum Thema "Ableben": Mir macht der Gedanke Angst am Ende in einer Holzkiste zu liegen und langsam zu verrotten und schon lange vorher Ende ist. Und dann Ende. Nichts hätte einen Sinn. Das, und die Tatsache des unbewegten Erstbewegers, gibt mir Hoffnung, dass es noch was anderes gibt nach dem Tod. Ich will es nicht Glaube nennen, aber es kommt nah dran. Es ist ein hoffen.

    Da niemand sicher gehen kann, sollte man sein Leben leben und auskosten. Ich habe auch früher über früher nachgedacht. Heute denke ich über morgen nach. Das ist viel spannender. Denn der Pool an Erinnerungen kann irgendwann erschöpft sein und dann gibt es nichts man an das man sich zurückerinnern könnte.

    Zum Thema "Noch ein Tag Leben": Ich habe keine Ahnung. Ich glaube ich würde dem einen oder anderen Menschen einfach mal in die Fresse hauen. Weil ich es kann und so ein bisschen Wut loswerde. Dann würde ich mein ganzen Geld nehmen, alle Freunde einladen und eine Löffel-Party schmeißen (Vom Sprichwort "den Löffel abgeben") und mich ins Koma saufen. (Was der Grund sein wird warum ich sterben werde). Vermutlich würde ich mir den Gedanken wegsaufen, dass ich noch weniger als 24 Stunden zu leben hätte, da ich sonst die ganze Zeit heulen würde.

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    1. Ja, das Thema "Patientenverfügung" ist wirklich ein heikles Thema, deswegen bin ich da nicht ganz so genau drauf eingegangen. Für sinnvoll halte ich es schon, weiß aber aus meiner Krankenhauserfahrung, dass die Verfügung nur selten ihren Nutzen erweist, da die Ärzte einen Eid abgelegt haben, um Leben zu kämpfen. Das heisst, die Wiederbelebungsmaßnahmen werden oft trotz Verfügung eingeleitet.... wie gesagt... schwieriges Thema.

      Die Idee mit der "Löffel"-Party finde ich gut :)
      Sowas könnte mir auch gefallen. So kriegt man am Ende wenigstens nicht mehr viel davon mit... was auch immer dann passiert....

      Danke für dein Kommentar :)

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