28. Februar 2015

Das Leben mit einer Gestörten.

Wer meinen Blog schon länger verfolgt und sich zumindest mehr als nur 2-3 Blogposts durchgelesen hat, wird wissen, dass ich mit meiner Erkrankung sehr offen umgehe.
Und hin und wieder habe ich auch beschrieben, wie sich mein Umfeld mir gegenüber verhält.

Nun bin ich letztens auf ein Video gestoßen, in dem ein junger Mann auf Youtube darüber berichtet, wie es für ihn ist, mit einer jungen Frau zusammen zu sein, die unter einer Angststörung leidet.
Eine Zuschauerin fragte "Ist es hart für dich in einer Beziehung mit jemanden zu sein, der unter einer Angststörung leidet?"
Erklärt wird auch, dass die Zuschauerin selbst unter einer Angststörung leidet und Angst davor hat, wie ihr Freund das alles empfindet und ob er sie womöglich eines Tages dafür hassen könnte?!




Als ich die Frage hörte, war ich wirklich interessiert, weil natürlich auch ich mir Gedanken dazu mache. Auch ich frage mich manchmal, wieso sich ein anderer, gesunder Mensch so "jemanden antut", wenn er doch von Anfang an weiß, dass die Beziehung anders aussehen wird?!
Wie mag es wohl sein,...


... wenn man mit seinem Partner eben nicht all das machen kann, was für andere Paare normal ist (z.B. Ausflüge, Urlaub, ungezwungene Momente außerhalb der Wohnung...)?
Und selbst wenn man den Betroffenen liebt... kann das auf Dauer genug sein?

Nun ja... dieser Typ antwortete in seinem Video wie folgt (aus dem englischen übersetzt):
"Es ist nicht hart. Das Einzige, was hart ist... ok... da ist eine Sache, die hart daran ist... und das ist, meine Partnerin zu sehen, wie sie damit leben muss/ sich mit ihrer Angst auseinandersetzen muss. Es ist nicht die Tatsache, dass es auftaucht... sie kann es ja nicht ändern. Sie hat es sich nicht ausgesucht, das zu haben. Es ist ja nicht wie: Ich mag die Farbe "pink" nicht und sie trägt jeden Tag pinke Kleidung. Das wäre etwas, was sie sich aussucht... aber eine Angststörung, wie ihr alle wisst, ist etwas, dass sich niemand aussucht. Es ist ja nicht so, dass sie sich denkt "Hmm... Ich glaube, ich werde heute mal eine Panikattacke haben und mache den Tag wirklich furchtbar für mich.". Das macht keiner! Also mach dir keine Sorgen. Er wird dich dafür nicht hassen. Es ist definitiv etwas, worüber er mehr und mehr lernen wird. Er wird sich sicher auch informieren... sich Tipps holen, wie er dir helfen kann oder damit er genau das Richtige sagt, um dir zu helfen. [...] Er wird dich nicht hassen. Er wird dich nicht hassen oder die Angststörung hassen. Also doch, er wird die Angststörung hassen, aber er hasst dich nicht. Er wird lediglich hassen, dass du unter dieser Angststörung leidest.
Etwas, was dich verletzt und er es nicht kontrollieren kann. Das zu sehen ist hart. [...]
Auf jeden Fall... Angststörung ist scheiße. Dein Freund wird dich dafür nicht hassen. Es wird wahrscheinlich eine Weile dauern, bis er versteht, was du durchmachst und lernt, wie er damit umgehen soll. Aber er wird dich nicht hassen..."

Wenn ich mir selbst die Frage stellen würde, ob ich eine Beziehung mit jemandem eingehen könnte, der eine Angststörung hat, wüsste ich nicht auf Anhieb, was ich darauf antworten würde?!
Ich halte es für äußerst schwierig, sich in einen Menschen hineinzuversetzen, ohne jemals das gespürt zu haben, was diese Person durchmacht. Wie soll man das dann verstehen?

Dazu kommt, dass es ja für die Betroffenen selbst schwierig ist, in einer Beziehung mit jemandem zu sein, der das alles irgendwie gar nicht nachvollziehen kann.
Ich meine... irgendwie schränkt man seinen Partner ja auch damit ein. 
Lange Spaziergänge, Händchen haltend durch den Park/Wald .... geht nicht
Ein Ausflug mit längerer Anfahrt .... geht nicht
Urlaub ... geht nicht
Immer wieder setzt man sich selbst Grenzen und somit auch seinem Partner.

Und klar, man hofft auf Besserung?! Aber was ist, wenn diese niemals eintreten wird?
Man soll die Hoffnung nie verlieren, aber ein wenig Rationalität schadet nie...

Als Betroffener mit einer Erkrankung umgehen zu müssen ist schon ein schwieriges Thema. 
Aber noch schwieriger finde ich die Thematik, wie jemand innerhalb einer Partnerschaft damit umgeht. 



Als Erkrankte/r braucht man Unterstützung, Rückhalt und Zuspruch. 
Aber ist es für eine/n Partner/in nicht anstrengend, immer und immer wieder genau solche Anforderungen zu erfüllen? Ist es nicht schwer, immer wieder auf etwas Rücksicht nehmen zu müssen und somit seine eigenen Bedürfnisse zurückzunehmen?

Schade, dass man nur so wenig Meinungen dazu hört/liest. 
Mich würde interessieren, was andere Partner/innen von Betroffenen darüber denken?!

L.H.P. 

Kommentare:

  1. Ich glaube es ist schwer für Menschen mit jemandem zusammen zu leben, der - nennen wir es mal besondere Aufmerksamkeit braucht. Viele Leute können dies nicht und sie machen sich damit selbst kaputt. Und das will sicherlich keiner der beiden.
    Aber ich finde es für die Betroffen auch super wichtig jemanden zu haben, der für sie da ist, sie unterstützt und das Gefühl gibt, dass sie damit nicht allein sind.
    Nur ist es wohl sehr schwer so jemanden zu finden.

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    1. Hallo Nana :)
      Danke für deinen Besuch auf meinem Blog.

      Für Betroffene ist es natürlich schwieriger erst einmal jemanden kennenzulernen.
      Aber ich gebe dir recht... es ist sicher schwer für einen Menschen mit einer psychisch-erkrankten Person zu leben. Und dann ist es eben auch fraglich, ob die Person damit umgehen kann oder nicht.
      Als Betroffener muss man eben immer mit der Sorgen kämpfen, ob dem Partner/der Partnerin das am Ende nicht doch zu viel wird?!

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  2. Hallo Du,

    Ich habe total Respekt, dass du so offen mit deiner Krankheit umgehst. Wirklich bemerkenswert!
    Dein Post ist auch sehr toll geworden. :)
    Ich wünsche dir einen schönen Tag!

    Liebe Grüße,
    Ira

    http://irastraumwelt.blogspot.de/

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    1. Hallo Ira,

      vielen Dank für deine netten Worte.
      Freut mich, dass dir der Blogpost gefällt.

      Liebe Grüße

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  3. Hey
    ich leide auch seit jetzt fast 14 Jahren an einer Angststörung mit ständiger Übelkeit. In Beziehungen war es bis jetzt immer sehr unterschiedlich, mein Ex z.B. hat es ausgenutzt das ich nicht raus gehen konnte um mich noch mehr einzuschränken, denn wenn ich mal einen halbwegs guten tag hatte und gerne meine familie besuchen wollte, hat er es mir verboten. so ging es 3 jahre lang. er hat verhindert das ich eine Therapie mache und so weiter....
    Mein jetziger Freund geht ganz anders damit um. Wenn es mir mal wieder extrem schlecht geht und ich mich zurückziehe, dann läßt er mich in Ruhe bis ich meine mir geht es besser. Ich habe ständig ein schlechtes Gewissen weil er durch mich auch eingeschränkt ist aber er sagt es ist alles gut. Es ist manchmal schwer zu glauben.... Ich dränge ihn oft dazu mal etwas mit seinem Kumpel oder seiner Familie zu unternehmen aber er will nicht ohne mich. Lieber bleibt er mit mir zu Hause. Mir tut es unendlich leid für ihn.

    Lg
    Toxic
    http://einfachgothic13.blogspot.de/

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    1. Hey Toxic,

      ich kann deine Sorgen gut nachvollziehen.
      Auch wenn der Partner 100mal sagt, dass er damit zurecht kommt und es ihm nix ausmacht... man fragt sich trotzdem immer mal wieder, ob man demjenigen gut tut und wieso er/sie sich das antut?!
      Und dieses schlechte Gewissen ist dann auch öfter da.

      Aber zu einer Beziehung gehört ja nun mal vertrauen, also muss man auch darauf vertrauen, dass der Partner/ die Partnerin ehrlich ist und es auch so meint, wie er/sie es sagt :)

      Ganz liebe Grüße

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  4. Hey :)
    Ich bin gerade über deinen Blog gestolpert und fühle mich total verstanden. Ich lebe seit ende 2012 mit meinen Panikattaken. Ich kann das was du schreibst total nachvollziehen und es ist jeden Tag ein neuer Kampf, der einem manchmal leichter aber manchmal auch schwerer fällt. Ichnunternehme viel auch weite Autofahrten machen mir nichts aus (solange ich selber fahre). Ich habe gelernt das Leben nicht so ernst zu nehmen und die Dinge so zu akzeptieren, wie sie sind. Ich spreche auch mit allen offen über meine Panikattaken und bisher hat sich auch niemand von meinen Freunden von mir abgewendet. Eher im Gegenteil. Alle auch meine Arbeitskollegen stehen voll hinter mir und das gibt mir ein richtig gutes Gefühl....ja und die Panik kommt....aber sie geht auch wieder...davon lasse ich mein Leben nicht beeinflussen...ich unternehme viel und reise auch gerne und das lasse ich mir einfach nicht nehmen....klar es gibt auch schlechte Zeiten...aber die muss man überwinden und wenn man das geschafft hat, dann kann man Stolz auf sich sein. Ich finde du machst das sehr gut und man darf nicht aufgeben, auch wenn es manchmal Rückschläge gibt.
    Liebe Grüße Nina

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    1. Hey Nina,

      deine Worte tun wirklich gut.
      Es ist schön zu lesen, wie du mit dieser "Einschränkung" umgehst.
      Das hat durchaus motivierende Wirkung auf mich :)

      Vielen Dank dafür.

      Ganz liebe Grüße

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  5. Es ist schwierig. Ich habe bei meinen Partnern gemerkt, dass es sie überfordert. Vor allem die Begleiterscheinungen sind nicht einfach - es ist nicht nur die Angst, sondern man kommt sehr leicht aus dem Gleichgewicht. Mein Ex hat unsere Verabredung spontan und extrem nach hinten verschoben und den Ort geändert. Das hat mich so verwirrt, dass die Angst kam.

    Außerdem sind für viele Leute bestimmte Dinge selbstverständlich und die sind mit Angst nicht möglich z.B. rausgehen. Man könnte sich zwar jd. suchen, der lieber zuhause ist als draußen, aber das wäre keine Lösung, denn wir wollen ja irgendwann wieder raus.

    Das Schlimmste ist, wenn ich mich mal in den Partner reinversetze, die ständige KOnzentration auf den 'Kranken' - man muss ständig auf den anderen achten und das kann nerven. Man fordert unbewusst Aufmerksamkeit. Aber: Der Körper des Patienten fordert in auf, auf sich zu achten. - das hat mit dem Partner nix zu tun. Ganz im Gegenteil: Dem Körper tut es vlt. gut, Aufmerksamkeit vom Partner zu bekommen z.B. durch Umarmungen. Aber....

    Ich glaube, wenn der Mensch richtig, richtig cool ist, dann würde ich ihn mit Angststörung akzeptieren. Aber vermutlich geht das nur, wenn ich einen Ausgleich habe?

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    1. Hallo Evy :)

      Es ist wirklich ein schwieriges Thema, weil man ja einerseits geliebt werden, aber auch niemanden zur Last fallen oder überfordern möchte.

      Ich halte es auch für besonders schwierig, von jemandem zu verlangen, sich in eine Situationen hineinzuversetzen, die er so gar nicht kennt.
      Wer hat schon bitte Angst vor langen Spaziergängen oder vorm Einkaufen im Supermarkt?

      Ich glaube, dass es durchaus anstrengendere Erkrankungen für einen Partner geben kann, aber so ganz ohne ist das auch nicht.
      Irgendwie muss man da eine Balance finden, dass beide aufeinander Rücksicht nehmen und nicht zuviel von einander abverlangen.

      Und wenn man dann noch jemanden findet, der sich Mühe gibt es zu verstehen und das langfristig mitmacht, hat man wirklich ein wahnsinniges Glück.

      Liebe Grüße :)

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