8. April 2015

[A-Z] E und F

E... wie Emotionen, Einflüsse und Erwachen

Ich war schon immer ein sehr emotionaler Mensch.
Seit dem ich denken kann, haben mich viele Dinge mitgenommen und geprägt.
Der einzige Unterschied zwischen heute und damals ist, dass ich mich früher deutlicher abgrenzen konnte. Ich konnte meine Emotionen besser verbergen, konnte stark wirken, auch wenn ich innerlich litt. Ich trug eine Maske, die mich vor weiterem Leiden schützte.
Heute ist das nicht mehr möglich. Ich weiß nicht warum, aber ich weine mehr, ich lache herzlicher und ich leide länger.
Natürlich ist es auf einer Seite ganz schön, wenn man Emotionen "echter" spürt, aber auf der anderen Seite wirkt man schwach, verletzlich und manchmal auch wie eine kleine Heulsuse.
Und vielleicht ist es auch das, was ich bin... schwach, verletzlich und eine Heulsuse?!



Früher hatte ich stolz und ließ mir nicht alles gefallen. Ich konnte klare Grenzen ziehen, konnte über manche verletzenden Situationen hinweglächeln.
Das kann ich heute nicht mehr. Meine Grenzen verschwimmen, meine emotionalen Mauern bröseln dahin und mein Lächeln wirkt in manchen Situationen einfach gequält und unecht.

Ich möchte...


...stark wirken und am Ende sitze ich weinend auf meiner Couch und breche unter all den Emotionen zusammen.

Wenn ich dann mit Menschen zutun habe, die so sind, wie ich früher war, dann wünschte ich mir, ich könnte auch wieder so sein.
Kühler, abgegrenzter, stärker.

Aber auch das gehört zum Leben dazu. Zumindest zu meinem.
Wenn ich es positiv betrachten wollte, könnte ich behaupten, ich sei echter, emotionaler und verständnisvoller als damals.

In meinem Leben gibt es viele Einflussfaktoren.
Faktoren, die meine Laune, meine Motivation, meinen Werdegang beeinflussen.
Das können zum Einen Ziele sein, die ich mir selbst setze.
Das können Menschen sein, die ich liebe und wertschätze.
Und das können Eindrücke sein, die ich aufnehme und verarbeite.

Ich möchte in meinem Leben noch Einiges erreichen. Für mein Privatleben, für meinen Beruf, für meine Gesundheit.
Jeder kleine Fortschritt wird reflektiert und abgespeichert. Die Umstände, die Ursachen, den Handlungsverlauf.
Ich versuche das Positive zu behalten, um mich in schlechten Phasen daran erinnern zu können.

Ich suche Vorbilder, Motivationshilfen und Dinge, die positive Gefühle in mir wecken.
Ich möchte mich an etwas festhalten können, wenn ich das Gefühl habe, ich könnte wieder zurückfallen.
All das sind Dinge, die mich in meinem Leben beeinflussen.

Mein Leben verläuft wellenförmig... so wie das, von den meisten Menschen.
Es gibt viele "Auf"-Phasen und dann auch wieder Abschnitte, in denen es bergab geht.
Wenn es dann einmal abwärts geht, brauche ich einen "Kick", der mich wieder aufstehen lässt.
Ein Schlüsselerlebnis/-gedanke, der mich dazu bringt, mich wieder nach oben zu kämpfen.

Es sind Momente, in denen wieder ein Schalter umgelegt wird und ich mit neuen Kraft weitermachen kann. Momente des Erwachens.
Der Mensch neigt dazu, oft in Situationen zu stagnieren.
Man verbleibt dort, wo man sich gerade befindet (und damit ist nicht die Örtlichkeit gemeint), bis irgendetwas passiert, wo man sich selbst sagt "so kann es nicht weitergehen".
Dann rappelt man sich auf, klopft den Staub von der Schulter und plant weitere Schritte, die ans Ziel führen.

Und so ist es auch bei mir. Immer und immer wieder.
In den letzten 8 Jahren gab es viele up and downs.
Aber solange diese Erwachensmomente immer wieder auftreten, gibt es keinen Grund, dort zu stagnieren, wo man gefallen ist.
Und solange man das Ziel nicht aus den Augen verliert, kann man noch so oft fallen.
Denn am Ende kämpft man weiter... für das, was einem wichtig ist.

F... wie Familie/Freunde und Freizeit


Als Jugendliche war mir nicht bewusst, wie wichtig mir meine Familie mal sein würde?!
Ich war kaum zuhause, viel mit Freunden unterwegs und empfand Familienzusammenkünfte als anstrengend und Pflichtprogramm. Ich genoss meine Freiheiten, die mir meine Eltern zum Glück ließen.
Meine Mutter war immer schon eine Bezugsperson für mich, aber wenn ich Rat brauchte, habe ich ein Gespräch zwischen mir und meiner besten Freundin doch vorgezogen.
Wie Jugendliche eben so sind?!
Als ich dann erkrankte gingen knapp 90% meiner Freundschaften verloren. Es war ein schleichender Prozess, aber am Ende stand ich alleine da. Klar, ich hatte noch ein paar Freunde, zu denen der Kontakt nicht abbrach... aber leider waren es auch die, die weiter entfernt lebten oder im Schichtdienst arbeiteten, so dass ein Treffen ziemlich selten vorkam.

In der Akutphase meiner Erkrankung verlor ich ein Stück weit meine Selbständigkeit. Ich musste ja nun mal die Bewältigung der meisten alltäglichen Aufgaben wieder erlernen bzw. es mir erarbeiten.
Und zu diesem Zeitpunkt lernte ich, was familiärer Zusammenhalt ist.
Obwohl ich schon längst ausgezogen war und auf eigenen Beinen stand, war meine Familie da.


Sie halfen mir, wann immer ich mir eingestand, dass ich Hilfe bräuchte.
Und als meine damalige Beziehung dann in die Brüche ging und ich mir eine neue Bleibe suchen musste, waren sie das Einzige, was mir blieb.
Wie sollte ich auch alleine einen Umzug stemmen? Dann auch noch mit meiner Einschränkung?
Für 5 Monate zog ich wieder in mein Elternhaus. Meine Eltern halfen mir bei der Wohnungssuche, beim Möbel schleppen, beim Aufbau... und obwohl ich oft genug ein schlechtes Gewissen hatte (meine Eltern sind nun mal auch keine 30 mehr), war es für unsere Beziehung das Beste, was uns hätte passieren können.
Wir sind enger zusammengerückt, haben seit dem einige Höhen und Tiefen zusammen durchgestanden und ich weiß, dass ich nicht allein bin.
Früher hab ich alles machen können, wonach mir war. Ich weiß, dass ich einige Chancen an mir vorbeiziehen gelassen habe, spannende Dinge zu erleben, weil ich entweder zu bequem war, besorgt war oder einfach andere Dinge für wichtiger hielt.
Ich würde nicht sagen, dass ich solche Momente bereue, aber ich glaube, hätte ich damals schon gewusst, was mich später erwartet, hätte ich manche Entscheidungen anders getroffen.
Ich wäre öfter in den Urlaub geflogen, hätte öfter mal einen Freizeitpark besucht oder wäre an manchen Wochenenden einfach aktiver gewesen.

Heute, wo ich mir selbst im Weg stehe, bilde ich mir ein, dass viele Freizeitaktivitäten nicht mehr möglich sind.
Da brauche ich oftmals jemanden, der mir zeigt, was ich kann.
Klar... am Ende bin ich diejenige, die etwas verändern muss, aber wie man sich vielleicht vorstellen kann, habe ich einen riesigen Schweinehund, gegen den ich ankämpfen muss.

Aber das wird schon ;)

L.H.P.

1 Kommentar:

  1. Erst einmal danke für deinen Komentar. Ich bin jetzt einfach mal so dreist und verfolge deinen blog. ich mag nachdenkliche menschen und tiefgründige.
    ja das mit der maske kenne ich. ich nenne es immer fassade. man lernt denke ich mit den jahren immer nehr hinter der mauer,fassade oder maske zu leben und diese aufrecht zu halten um sich zu schützen, um nicht verletzbar und angreifbar zu sein.
    das leben ist ein ewiger kampf für viele menschen. und mal ehrlich, lieber kämpfe ich und halte meine maske hoch, als immer gradeaus zu gehen.

    liebe grüsse
    nisi

    AntwortenLöschen